Glossar

Energielieferung, Netznutzung, Kostendeckende Einspeisevergütung, Systemdienstleistungen, Smart Metering, Energiedatenmanagement, Contracting und Fiber to the Home sind nur einige Fachbegriffe aus der Welt der Energieversorgung.

Rund um das Thema Energieversorgung wird eine Vielzahl branchenspezifischer Fachausdrücke verwendet. Doch was bedeuten die einzelnen Begriffe? Interessierte Leserinnen und Leser finden nachfolgend ein Glossar mit den meist genannten Fachausdrücken. Lesen und verstehen!

A

Ausgleichsenergie

Elektrizität, die zum Ausgleich der Differenz zwischen dem effektiven Bezug (bzw. der Lieferung) einer Bilanzgruppe und deren Bezug (bzw. deren Lieferung) nach Fahrplan in Rechnung gestellt wird.

B

Bilanzgruppe

Rechtlicher Zusammenschluss von Teilnehmern am Elektrizitätsmarkt, um gegenüber der nationalen Netzgesellschaft eine gemeinsame Mess- und Abrechnungseinheit innerhalb der Regelzone Schweiz zu bilden.

Bilanzmanagement

Gesamtheit der technischen, organisatorischen und abrechnungstechnischen Massnahmen zur ständigen Aufrechterhaltung der elektrischen Energie- und Leistungsbilanz im Elektrizitätssystem; dazu gehören insbesondere Fahrplanmanagement, Messdatenmanagement und Bilanzausgleichsmanagement.

Biomasse

Organische Stoffe nicht fossiler Art aber biologischer Herkunft. Biomasse wird zum Teil zur Gewinnung von Energie genutzt (Holz, Holzschnitzel und andere Sägenebenprodukte, Schlamm aus Kläranlagen, Stallmist und Jauche, Abfälle aus Land- und Forstwirtschaft etc.). Biomasse wird entweder im Verbrennungsprozess direkt zur Gewinnung von Wärme genutzt (sog. Energieholz: Stückholz, Schnitzel, Späne) oder in verschiedenen thermochemischen oder biologischen Umwandlungsverfahren (Biokonversion; z.B. anaerobe Fermentation etc.) in eine nutzbare Energieform umgewandelt (Holzkohle, Biogas, Ethanol, Alkohol etc.)

C

Contracting

Beim Contracting kauft der Kunde nicht Primärenergie, sondern Nutzenergien wie Wärme, Kälte, Licht, Kommunikationsmöglichkeiten etc. Die Investitions- und Betriebsrisiken liegen beim Contractor, z.B. der EKT AG.

E

Ein- bzw. Ausspeisepunkt

Netzpunkt, an welchem ein eingehender bzw. ausgehender Energiefluss erfasst und gezählt oder registriert wird (Messpunkt).

Energie

Das Wort «Energie» stammt vom griechischen «Energeia», das «wirkende Kraft» bedeutet. Energie als physikalische Grösse ist nötig, um einen Körper entgegen einer Kraft zu bewegen, eine Substanz zu erwärmen, elektrischen Strom fliessen zu lassen oder elektromagnetische Wellen abzustrahlen. Energie kann nicht vergehen, sondern nur von einer Form in eine andere umgewandelt werden. Sie kann in elektrischer, mechanischer (Bewegung), potenzieller (Höhen- oder Lageenergie) oder chemischer Form vorliegen.

Energie wird für alle Arten von wirtschaftlicher Produktion benötigt. Energielieferanten sind Brennstoffe wie Kohle, Erdgas, Erdöl und Holz, Kernbrennstoffe wie Uran oder Thorium sowie die erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Erdwärme und Wasser (Flüsse, Stauseen, Gezeiten). Auch Pflanzen, Tiere und Menschen brauchen Energie zum Leben. Der menschliche Körper «verbrennt» chemische Energie in Form von Kalorien und hält damit seinen Körperkern konstant auf 37 Grad Celsius.

ElCom

ElCom ist die Abkürzung für Eidgenössische Elektrizitätskommission, die unabhängige staatliche Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich. Sie überwacht die Einhaltung des Stromversorgungs- und Energiegesetzes sowie die Strompreise und erlässt Verfügungen. 

Elektrizität

Im heutigen Alltag ist Elektrizität im Sinne von elektrischer Energie unentbehrlich, was dem Menschen meistens erst durch Ausfälle wieder bewusst wird. Trotzdem haben weltweit 1,4 Mrd. Menschen keinen Zugang zu elektrischer Energie. Die Erzeugung dieses Energieträgers erfolgt fast immer in Kraftwerken, die Verteilung über Stromnetze. Seit über einem Jahrhundert bestimmen Anwendungen von Elektrizität wie elektrisches Licht, Wärme, Kraft und die Computertechnologie mehr und mehr das menschliche Leben.

Endenergie

Endenergie ist diejenige Energieform, die der Verbraucher erwirbt. Sie besteht zumeist aus Sekundärenergie (Benzin, Diesel, Kerosin im Tank, Strom aus der Steckdose, etc.), aber auch aus Primärenergie wie Naturgas.

Endverbraucher

Endverbraucher sind Kunden, die Elektrizität für den eigenen Verbrauch kaufen. Ausgenommen hiervon ist der Elektrizitätsbezug für den Eigenbedarf eines Kraftwerkes sowie für den Antrieb von Pumpen in Pumpspeicherkraftwerken.

Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien stammen aus nachhaltigen Quellen wie Wasserkraft, Sonnenenergie, Geothermie, Umgebungswärme, Windenergie sowie Energie aus Biomasse und Abfällen aus Biomasse. Da sich die Energiequellen erneuern, werden sie auch regenerative Energien genannt.

F

Fahrplan

In Leistungsmittelwerten vereinbarte Zeitreihe über die Lieferung bzw. den Bezug von elektrischer Energie in einem bestimmten Zeitraum. 

Fibre To The Home (FTTH)

Unter FTTH versteht man die Verlegung von Lichtwellenleitern (Glasfasern) direkt bis in die Wohnung des Teilnehmers. Dort werden die Lichtimpulse wieder in elektrische Signale umgewandelt und über gängige Verkabelungen (z.B. LAN) weiterverteilt. 

G

Geothermische Energie (Erdwärme)

Die Geothermie nutzt die im Erdinneren gespeicherte Wärmeenergie. Das Potenzial an Erdwärme ist sehr gross. Nutzungsmöglichkeiten bestehen vor allem dort, wo die Wärmequelle konzentriert und leicht zugänglich ist, z.B. bei heissen Gesteinsformationen, die mit Wasser oder Dampf gefüllt sind. Man unterscheidet geothermische Vorkommen niedriger und hoher Temperatur. Die Quellen niedriger Temperatur können zur Raumheizung genutzt werden. Vorkommen hoher Temperatur (150°C) können zur Elektrizitätserzeugung und für Prozesswärmeanwendungen genutzt werden. 

Grundlast

Es handelt sich um die Leistung, die in der Stromversorgung dauerhaft bereitgestellt werden muss, um z. B. Fabrikanlagen, Kühlaggregate, Wärmepumpen, Beleuchtungseinrichtungen oder Lichtsignalanlagen permanent betreiben zu können. Die Grundlast wird von Kraftwerken gedeckt, die nahezu rund um die Uhr arbeiten.

H

Heizkraftwerk (Fernheizkraftwerk)

Ein Heizkraftwerk ist eine Produktionsanlage, in der sowohl Fernwärme als auch Elektrizität erzeugt wird (Wärme-Kraft-Kopplung).

Heizwerk (Fernheizwerk)

Ein Heizwerk oder Fernheizwerk ist eine Wärmezentrale für die ausschliessliche Produktion von Fernwärme mit konventionellen Brennstoffen (Erdgas, Heizöl, Kehricht etc.).

Höchstspannungsnetz (Übertragungsnetz)

Das Höchstspannungsnetz ist das Übertragungsnetz. Mit einer Spannung von 220 oder 380 Kilovolt verteilt es den in Grosskraftwerken erzeugten Strom landesweit. Das Schweizerische Höchstspannungsnetz ist 6'700 Kilometer lang. Über dieses Leitungsnetz erfolgt auch der Stromaustausch mit benachbarten Ländern.

Hochspannungsnetz

Das Hochspannungsnetz ist das überregionale Verteilnetz. Mit einer Spannung von 50 bis 110 Kilovolt wird überregional Energie verteilt, zum Beispiel zu grösseren Siedlungsgebieten, wie etwa die Regionen Frauenfeld, Amriswil, Kreuzlingen etc.

K

KEV Kostendeckende Einspeisevergütung

Die KEV ist die Kostendeckende Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien.

Kohlendioxid (CO)

Kohlendioxid (CO2) trägt als natürlicher Bestandteil der Atmosphäre zur Regulierung des Wärmehaushaltes der Erde bei. Die Zunahme von CO2-Emissionen durch Verbrennung kohlenstoffhaltiger Kraft- und Brennstoffe gilt als einer der Gründe für die Verstärkung des Treibhauseffektes und damit der globalen Erderwärmung. 

L

Leistung

Als Leistung bezeichnet man den auf eine Zeiteinheit bezogenen Energieumsatz (Leistung = Energie pro Zeiteinheit). Masseinheit der Leistung ist das Watt (W).

M

Mittelspannungsnetz

Das Mittelspannungsnetz ist das regionale Verteilnetz und verteilt die elektrische Energie mit einer Spannung von 17 Kilovolt. Die lokalen Verteilnetze der Energieversorgungsunternehmen (EVU) versorgen einzelne Dorf- und Stadtteile sowie kleine und mittlere Industriebetriebe. Die Leitungen werden zunehmend in den Boden verlegt.

N

Netzzugang

Der Netzzugang ist ein Recht auf Netznutzung, um von einem Lieferanten freier Wahl Elektrizität zu beziehen oder Elektrizität in ein Netz einzuspeisen.

Niederspanungsnetz

Das Niederspannungsnetz ist das lokale Verteilnetz. Auf dieser Ebene gelangt der Strom in die Steckdose. Mit 230 resp. 400 Volt werden Haushalte, die Landwirtschaft und Gewerbebetriebe versorgt. Die meisten Leitungen sind unterirdisch verlegt.

Nutzenergie

Diese Energie steht dem Verbraucher nach der letzten technischen Umwandlung zur Verfügung. Nutzenergie besteht z.B. aus Licht, Wärme, Kälte oder Schall (Radio). 

P

Primärenergie

Dabei handelt es sich um eine Energieform in ihrem Urzustand, also vor jeder technischen Umwandlung. Dazu zählen Wasserkraft, Erdöl, Erdgas, Kohle, Kernbrennstoffe, Sonnenstrahlung, Erdwärme oder Wind.

 

R

Regelenergie

Für den kurzfristigen Ausgleich nicht vorhersehbarer Schwankungen in Erzeugung und Verbrauch von Strom müssen die Versorger Regelenergie bereithalten. Sie wird durch Speicherwasser- und Pumpspeicherwasserkraftwerke oder durch Dampfturbinen- und Gasturbinenkraftwerke produziert. Die Regelenergie ist zur Gewährleistung des sicheren Netzbetriebs unabdingbar.

Regelzone

Das Gebiet, für dessen Netzregelung die nationale Netzgesellschaft verantwortlich ist, wird Regelzone genannt. Sie wird physikalisch durch Messstellen festgelegt.

S

SDL Systemdienstleistungen

Die für den sicheren Betrieb der Netze notwendigen Hilfsdienste werden Systemdienstleistungen genannt. Diese umfassen insbesondere Systemkoordination, Bilanzmanagement, Primärregelung, Schwarzstart- und Inselbetriebsfähigkeit von Erzeugern, Spannungshaltung (inkl. Anteil Blindenergie), betriebliche Messungen und Ausgleich der Wirkverluste.

Sekundärenergie

Sekundärenergie nennt man die nach der Umwandlung aus Primärenergie entstandenen Energieformen wie Heizöl, Benzin, Strom, Diesel, Kerosin, Briketts (aus Braunkohle) oder Stadtgas. 

Smart Grid

Smart Grids sind intelligente Stromnetze. Diese sind kommunikativ vernetzt und können Stromerzeuger steuern. Mit Smart Grid können zudem die bestehenden Netzkapazitäten optimal ausgenutzt werden. Das bedeutet, dass die traditionellen Stromnetze weniger ausgebaut werden müssen.

Smart Home

Das Smart Home ist das intelligente Wohnen. Dabei geht es um Gebäudeautomation und damit um die Datenvernetzung, die Statusüberwachung und die Fernsteuerung von Geräten und Gebäudekomponenten in privaten Haushalten.

Smart Metering

Smart Meter oder intelligente Stromzähler bilden die Basis für intelligente Stromnetze (Smart Grid). Diese sind auch in der Lage, neben Strom auch Wasser oder Gas zu messen.

Sonnenenergie (Sonnenstrahlung)

Unter Sonnenenergie bzw. Nutzung von Sonnenenergie verstehen wir im engeren Sinn die direkte Nutzung der Sonnenstrahlung z.B. mittels Sonnenkollektoren (Wärme) oder Solarzellen (Strom).

Sonnenkollektor/Solarzellen

Die Sonnenkollektoren und Solarzellen fangen die einfallende Sonnenstrahlung ein und wandelt diese im Allgemeinen in thermische Energie um. Dabei geben sie die Energie an ein Wärmeträgermedium ab.

Spitzenenergie

Als Spitzenenergie wird derjenige Anteil des täglichen Strombedarfs bezeichnet, der über den Grundbedarf hinaus nachgefragt wird. Die Deckung des Spitzenbedarfs erfolgt vor allem über die leicht regulierbaren Speicherkraftwerke.

swissgrid

Die swissgrid ist die nationale Netzgesellschaft und betreibt das Schweizer Höchstspannungsnetz (Netzebene 1). Bis zum 1. Januar 2013 müssen alle Netzbetreiber ihr Übertragungsnetz (Netzebene 1) an swissgrid übertragen.

T

Transformatorenstationen

In den Transformatorenstationen erfolgt die Umwandlung von der Mittelspannung in die Niederspannung.

U

Umgebungswärme (Umgebungsenergie, Umweltenergie)

Die aus Sonnenenergie (oder auch aus Abwärrne z.B. aus Industrie oder Haushalt) in der Luft, dem Oberflächenwasser und Grundwasser und dem Erdboden aufgenommene und gespeicherte Wärmeenergie wird als Umgebungswärme (auch Umgebungsenergie oder Umweltenergie) bezeichnet. Die Nutzung der Umgebungsenergie zur Raumheizung oder Warmwasserbereitung erfordert die Zuführung zusätzlicher Energie, um sie auf ein höheres Temperaturniveau zu bringen. Dies kann mit Hilfe einer Wärmepumpe geschehen.

Unbundling

Darunter versteht man die Entflechtung der Funktionen Erzeugung, Stromhandel, Übertragung und Verteilung von Elektrizität. Das Unbundling will Diskriminierungen, Quersubventionen und Wettbewerbsverzerrungen im liberalisierten Elektrizitätsmarkt vermeiden.

Unterwerke

In den Unterwerken erfolgt die Spannungsumwandlung (Transformation) für die verschiedenen Netzebenen bis zur Mittelspannung (17 kV)

W

Wasserkraft (potenzielle Energie der Gewässer)

Potenzielle Energie der Gewässer wird auch Lageenergie genannt. Wasserkraft wird insbesondere zur Stromerzeugung genutzt. 

Wärme-Kraft-Kopplung (WKK)

Eine Wärme-Kraft-Kopplung erzeugt gekoppelt Elektrizität und Wärme für Heizzwecke in einer thermischen Kraftmaschine.

Z

ZFA Zählerfernauslesung

Ein Zählerfernauslesungssystem liest Zählwerte elektronisch aus und überträgt die Zählwerte zum Beispiel über Funk an einen Empfänger.

Quelle: Swissgrid, EKT, Axpo