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Erste bargeldlose Normal-Ladestation der Schweiz eröffnet

Arbon, September 2018: Auf dem Parkplatz der Kartause Ittingen steht seit kurzem eine Ladestation für Elektrofahrzeuge. Aber nicht irgendeine: Als erste Ladestation der Schweiz in dieser Form kann hier der Strom ganz einfach mit Maestrokarte oder Kreditkarte bezahlt werden. Das Pilotprojekt der Energie des Kantons Thurgau (EKT) ist auf zwei Jahre festgelegt. Anschliessend sollen weitere Stationen folgen

Ich kann tanken. Jederzeit und fast überall. Und ich kann das Benzin mit meiner Maestrokarte oder Kreditkarte bezahlen. Das war vor 40 Jahren noch ganz anders. Damals gab es Landkarten, auf denen die Tankstellen eingezeichnet waren, damit die Autofahrer sie überhaupt finden konnten. Bezahlt wurde mit Bargeld oder mit der Kundenkarte des jeweiligen Tankstellenanbieters.

Was damals beim Benzintanken war, gilt heute beim Laden von Elektrofahrzeugen: Es gibt wenig Ladestationen und der Strom kann nur mit einer Kundenkarte bezogen werden. Daten wie die Kredit-kartenangaben fliessen in verschiedenen, teils unsicheren Systemen und werden da auch gespeichert.

«Laden» und «Zahlen» getrennt

Nicht so bei der neuen Ladestation auf dem Parkplatz der Kartause Ittingen. Hier sind die beiden Funktionen «Laden» und «Zahlen» streng getrennt. Alle sensiblen Daten zum Zahlungsvorgang fliessen im hochsicheren Schweizer Bankensystem. Die Verbindung zur Funktion «Laden» besteht einzig in der Freigabe des Vorgangs und dem Abbruch durch den Fahrer oder das Fahrzeug, wenn dieses geladen ist. Damit kann hier jeder Strom beziehen, der eine Kredit- oder Maestrokarte besitzt. Und das ohne Voranmeldung oder Hinterlegung der Zahlungsdaten.

«Aufgrund der sehr hohen Anforderungen an die Sicherheit sind die Kosten für die Zahlungshardware und die obligatorische Konformitätsprüfung etwas höher als bei konventionellen Systemen» sagt Projektleiter Daniel Stüssi. Die gesamten Systemkosten seien hingegen um einiges tiefer: so lägen die Transaktionskosten nur etwa bei 2 Prozent, während bei den aktuellen Systemen im Roamingfall 10 Prozent an die Endverbraucher belastet würden. «Da das ganze Zahlsystem kontaktlos arbeitet, können auch die Kartendaten nicht ausgelesen werden», sagt Stüssi.

14'000 Franken für eine Ladestation

Die Ladestation auf dem Parkplatz der Kartause Ittingen ist die erste in dieser Form in der Schweiz. Das Pilotprojekt der EKT unter dem Titel «Diskriminierungsfreies Laden» ist auf zwei Jahre festgelegt. Ist es erfolgreich, werden weitere Stationen im Thurgau folgen. Und dass es erfolgreich sein wird, davon ist Corinne Rüegg, Leiterin Kommunikation und Marketing der Kartause Ittingen, überzeugt: «Das Laden von Elektrofahrzeugen an dezentralen Orten entspricht einem zunehmenden Bedürfnis. Wir sind glücklich, dass unsere Gäste ab sofort ganz einfach mit ihrer Debit- oder Kreditkarte ihre Elektrofahrzeuge in nützlicher Frist laden können». Das Angebot, das die EKT der Kartause unterbreitet habe, sei «sehr grosszügig», sagt Rüegg. Denn die EKT habe sich bereit erklärt, den Grossteil der Investitionen des Pilotprojekts zu übernehmen. 

Unterstützung erhält die EKT auch vom Kanton. Zitat Andrea Paoli, Leiter der Abteilung Energie des Kantons Thurgau.

Die Kosten für die Ladestation selbst betragen lediglich rund 14'000 Franken. Vorausgesetzt, es existiert bereits eine Zuleitung und ein geeigneter Untergrund oder Betonsockel. Damit ist das System für Standorte prädestinieret, an denen Kredit- und Maestrokarten akzeptiert werden. Dies sind zum Beispiel Hotels und Restaurants, Gemeinden, Hallenbäder oder Parkhäuser.

Das Pilotprojekt

Im zweijährigen Pilotprojekt ist eine schwedische Ladesäule der Firma Optec im Einsatz. Die Zahlungshardware stammt vom Schweizer Unternehmen PayTec. Es kann mit 3.7 kW oder 11 kW geladen werden. Möglich wären bis zu 2 x 22 kW (jeweils AC). Abgerechnet wird ein fester Grundbetrag pro Ladung (zum Beispiel CHF 7 pro Ladung) und ein Minutenpreis (zum Bespiel 2 Rappen pro Minute). Die Kosten einer Ladung liegen etwa gleichauf mit den bestehenden Systemen. Es werden aktuell VISA- und Masterkarten aus allen Ländern der Welt akzeptiert. Zusätzlich kann mit der Maestrokarte bezahlt werden. Der Vorgang entspricht dem Tanken an der Benzinsäule.