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Unbeschwert E-Mobil-Reisen

„Roaming“ ist das Zauberwort für die unbeschwerte Reise mit dem E-Mobil. Dank dem schnellen Datenaustausch kann heute ein Kunde von Plug`n Roll an einer Ladestation in Hamburg sein Fahrzeug laden. Der Bezug wird direkt über sein Konto bei Plug`n Roll abgerechnet und der Besitzer der Station erhält ebenso prompt sein Geld.

Über Jahre waren die E-Mobil-Fahrer eine verschworene Gemeinschaft und jeder half dem anderen, indem die private Ladestation zur kostenlosen Benutzung zur Verfügung gestellt wurde. In den Nullerjahren lancierten viele Energieversorger und Regionen eigene Zutrittssysteme mit Karten oder Schlüsseln. Man musste dazu Mitglied einer lokalen Organisation werden, um teilnehmen zu können. Wer über die Region hinaus unterwegs war, musste also eine mehr oder weniger grosse Anzahl Karten und Schlüssel dabeihaben und wissen, welches System wo akzeptiert wurde.

Für die massentaugliche E-Mobilität sind diese Konzepte nicht überlebensfähig. Lokale Lösungen sind keine Option – man stelle sich vor, dass ein Tourist im Dorf am Schalter eine RFID-Karte lösen muss, um sein Fahrzeug zu tanken.

Tesla hat das Thema „Laden“ gross gedacht und weltweit ein Netz an Superchargern aufgebaut, das exklusiv für die eigenen Kunden reserviert ist. So kann ein Tesla-Fahrer heute von Hamburg nach Rom fahren, ohne sich Gedanken über das Laden zu machen. Nicht effizient ist aber, dass diese Stationen nur für die Fahrer einer Marke zur Verfügung stehen.

In Europa hat sich ein dreistufiges Roaming-Konzept etabliert, das es dem Anbieter einer Ladestation erlaubt, diese allen europäischen E-Mobilfahrern zugänglich zu machen.

Ein Kunde von Swiss Charge oder Plug`n Roll – beides Schweizer Initiativen für die E-Mobilität – lancieren eigene Apps, mit denen ein Ladevorgang an den eigene Stationen gestartet wird. Zugleich sind die Systeme auch über Plug Surfing zugänglich, ein deutsches Start up, das eine Abrechnungsplattform betreibt. Diese kann sowohl über die Apps von lokalen Anbietern wie auch über die Plug Surfing App oder einen RFID-Token (sieht aus wie ein Badge) genutzt werden. Europaweit sind vergleichbare „Metasysteme“ über Hubject miteinander verbunden. Hubject gilt als wichtigster Partner für das Roaming. Die technische Plattform heisst Intercharge und will einen QR-Code etablieren, der jeden Ladepunkt eindeutig identifiziert.

Ein Hinweis zur Relevanz der verschiedenen Netzwerke gibt die Anzahl Downloads der Apps im Play-Store von Google (Daten vom 23. Januar 2018).

Anbieter bis … Downloads
Plug Surfing 10’000
Plug’n Roll 5’000
Intercharge 5’000
Charge Juice 1’000
Swiss Charge 1’000
Evpass 1’000

 

Der Markt bewegt sich also weg von den kleinräumigen Insellösungen und wird künftig über Zusatzservices wie Navigation, Reservationssysteme und einfache Abrechnungen stattfinden. In der Schweiz sind viele Anbieter an Hubject angebunden. Als Beispiele zu nennen sind Easy4You, GroupE, Evtec und so weiter.

Es war sehr wichtig, dass nach der Lösung des unsäglichen Steckerproblems nun die Benutzung der Infrastruktur standardisiert ist. Gerade für die Schweiz, die auf den europäischen Tourismus angewiesen ist, ist dies ein Segen.

Weiterführende Links: www.intercharge.eu, www.plugsurfing.com, www.swisscharge.ch, www.plugnroll.ch 

E-Mobil laden: Die Leistung zählt

Für die Bereitstellung der Ladeinfrastruktur ist die Wahl der Ladeleistung das wichtigste Kriterium zur Bestimmung der Investitionskosten. Vor allem im öffentlichen Raum besteht der Wunsch zu hohen Leistungen. Tatsächlich deckt der Leistungsbereich bis 22 kW fast alle Situationen ab.

Ein wichtiger Aspekt beim Durchbruch der E-Mobilität ist die Ladeinfrastruktur. Unabhängig davon, ob diese Diskussion berechtigt ist oder nicht, der Markt verlangt offensichtlich nach der Möglichkeit, das Fahrzeug häufig laden zu können. Eine persönliche – und nicht repräsentative – Umfrage in einem Internet-Forum bestätigt, dass eine grosse Zahl von Lademöglichkeiten für E-Mobil-FahrerInnen ein wichtiges Komfortbedürfnis befriedigt. Fakt ist aber auch, dass ein E-Mobil, das in der heimischen Garage startet, zu 100% geladen ist. Am Zielort angekommen soll die Batterie wieder auf 100% Ladung kommt. Die tatsächlich notwendige Ladeleistung kann mit drei Parametern berechnet werden.

Parameter 1 «Standort»: Je nach Standort werden andere «Zielgruppen» angesprochen. Auf einem Firmenparkplatz sind es Besucher, auf dem Dorfplatz die Gemeindemitglieder und auf einer Autobahnraststätte die Durchreisenden.

Parameter 2 «Anreise»: Je nachdem, von wo unsere Zielgruppe anfährt, hat sie unterschiedlich lange Distanzen zurückgelegt. Bei den Gemeindemitgliedern sind es vielleicht 10 km Wegstrecke. Firmenbesucher haben gelegentlich eine längere Anreise hinter sich, sagen wir 100 km. Und auf der Autobahn erreicht die Strecke seit dem letzten Halt ohne weiteres 200 km.

Parameter 3 «Verweilzeit»: Diese Information ist erstaunlich einfach zu beschaffen.  Wenn man zum Beispiel auf Google nach der Raststätte Würenlos (bei Zürich) sucht, erfährt man, dass «die Menschen in der Regel hier 20 Minuten verbringen». In der MIGROS im Rosengarten in Arbon sind es «25 Minuten» und beim Firmenbesucher gehen wir davon aus, dass die Besprechung eine Stunde dauert.

 

Daraus lässt sich folgendes Schema ableiten:

Standort Gemeinde Firma Raststätte
Wegstrecke 10 km 100 km 200 km
Verweilzeit 25 Min. 1 Std. 20 Min.
Energiebedarf 2 kWh 20 kWh 40 kWh
Elektrische Leistung kalk. 4.8 kW 20 kW 120 kW
Ladeleistung empfohlen 11 kW 22 kW 120 kW


Die obige Herleitung für die elektrische Leistung p kann wie folgt zusammengefasst werden:

p = Distanz (km) × 0.2 / Verweilzeit (h)

Der Faktor 0.2 steht für einen Energieverbrauch pro 100 km Fahrdistanz von 20 kWh. Gemäss den elektrotechnischen Standards wird p anschliessend auf den nächstliegenden Wert als Ladeleistung aufgerundet.

Branchentreffpunkt E-Mobilität

Die Fachgesellschaft e’mobile von Electrosuisse ebnet den Weg für die E-Mobilität und bringt die Akteure zusammen. Sie organisiert überregional Branchentreffs für Fachleute und Publikumsausstellungen. EKT ist Partner bei den Thurgauer Fachanlässen.

E-Mobilität ist heute das Top-Thema in der Energiebranche. Sie betrifft viele Player im Markt, von der Autogarage über die Anbieter von Ladeinfrastruktur bis hin zum Energieversorgungsunternehmen (EVU). Aber auch die Konsumentinnen und Konsumenten setzen sich zunehmend damit auseinander, vor allem, wenn sie eine eigene Solaranlage auf dem Dach haben und den Strom am liebsten gleich selber nutzen möchten. In Amriswil und Frauenfeld trafen sich Vertreter verschiedener Fachbereiche zu einem Update und Informationsaustausch zur E-Mobilität.

Zur Einstimmung zeigte Herr Urs Schwegler von e’mobile, Fehraltorf, auf, wohin sich der Markt entwickelt. Nachdem über viele Jahre E-Mobile eher die «hässlichen Entlein» waren, wandelt sich das Bild mit dem Markteintritt von Tesla. Die Firma zeigt, dass ein E-Mobil auch sportlich sein und ein ansprechendes Design haben kann. Heute überbieten sich die Hersteller mit Ankündigungen von neuen Modellen in den kommenden zwei oder drei Jahren.

Die Thurgauer EVU sind mehrfach von dieser Entwicklung betroffen. Einerseits gibt es immer mehr Photovoltaikanlagen, die Strom in das Netz einspeisen, andererseits sollen E-Mobile mit hohen Leistungen geladen werden können. Trifft beides zeitlich zusammen, fliesst der Strom lokal, das heisst vom Dach direkt in den Autoakku. Meist ist es aber so, dass die Photovoltaikanlage am Mittag Strom produziert und das E-Mobile am Abend geladen wird. Das Referat von Raphael Schneggenburger von der EKT Energie Thurgau, Arbon, zeigt exemplarisch auf, was die Herausforderungen sind. Um zu erkennen, wo das Netz den künftigen Belastungen standhält und wo Engpässe entstehen können, soll das EVU eine Netzanalyse erstellen. Dann ist auf der Netzlandkarte auf einen Blick erkennbar, bei welchem Ausbaugrad die Netzknoten überlastet sind. Auf dieser Basis kann das EVU Netzausbauten proaktiv in die Wege leiten.

Am Frauenfelder Anlass zeigte Markus Graf von Enersol die erfolgreiche Umsetzung eines Energienetzes, das die Bedürfnisse nach Strom, Wärme und Kälte auf dem Bioweingut Lenz, Iselisberg, aufeinander abstimmt. In Kombination mit einer grossen Photovoltaikanlage, einem Strom- und einem Wärmespeicher wird die lokale Energienutzung optimiert. Zugleich kann dank dem Stromspeicher auf eine Netzverstärkung für die grosse PV-Anlage verzichtet und im Notfall das Weingut sogar als «Inselanlage» autonom mit Energie versorgt werden.

An den anschliessenden Fachmessen zeigten Anbieter Lösungen zum Laden der E-Mobile, zum Strom produzieren und speichern und E-Mobile mit vier und zwei Rädern, die teilweise auch für eine Probefahrt genutzt werden konnten.

Downloads

Marktentwicklung (797 KB)

Auswirkungen Stromnetz (3.2 MB)

Case Bioweingut Lenz (3.2 MB)