Zum Inhalt springen

Unser Angebot

«Ich würde sofort wieder mitmachen»

2014 lancierte die EKT AG, eng begleitet durch das KEEST (Kompetenz-Zentrum für Erneuerbare Energie-Systeme Thurgau), das Energie-Förderprogramm «Thurgauer Energie-Fitness für Unternehmen» mit dem Ziel, pro Betrieb mindestens 15 Prozent Energie über drei Jahre einzusparen. Mit überwältigen-dem Erfolg: Die 73 teilnehmenden Firmen haben nicht «nur» die errechneten 43 Gigawattstunden Energie eingespart, sondern die Vorgabe mit 184 GWh mehr als dreifach übertroffen! Wir haben Roman Germann, CEO des Kunstoffspritzguss-Unternehmens LAPP Tec AG, in Diessenhofen zu seinen Erfahrungen mit dem EKT-Energieförderprogramm befragt.

«Ich würde sofort wieder mitmachen.» Roman Germann, 1962, ist CEO des Unternehmens LAPP Tec AG in Diessenhofen / TG.

Roman Germann, Sie haben mit Ihrem Betrieb am Programm «Thurgauer Energie Fitness für Unternehmen» teilgenommen. Was hat Sie dazu bewegt, Ihren Energieverbrauch zu überdenken und zu optimieren?

Für unsere Teilnahme am Programm gab es zwei Aspekte: Erstens hatten wir sowieso vor, unser Unternehmen in einem ersten Schritt gemäss der Norm ISO 14001 (Umweltmanagement) und in einem zweiten nach ISO 50001 (Energiemanagement) zertifizieren zu lassen – um einen Vorteil im Markt zu haben und uns von Mitbewerbern zu differenzieren. Der zweite Aspekt war die Mitteilung des Kantons Thurgau, dass wir «Energie-Grossverbraucher» gemäss Eidgenössischem Energiegesetz seien und daher in Sachen Energieeffizienz tätig werden müssten, um von der Befreiung der CO2- oder KEV-Abgabe zu profitieren. Da wir ja bereits den Beschluss gefasst hatten, unseren Energieverbrauch zu optimieren, suchten wir einen Partner, der mit uns zusammen den Betrieb analysiert, Einsparungspotenzial erkennt und daraus dann mögliche Massnahmen ableitet. Diesen Partner fanden wir im KEEST, und rückblickend kann ich sagen, dass ich mit dieser Zusammenarbeit mehr als zufrieden bin.
 

Welche Massnahmen haben Sie ein- und umgesetzt, um den Energieverbrauch zu reduzieren?

Den Mammutanteil unseres Energieverbrauchs macht natürlich die Produktion aus. Hier haben wir kontinuierlich unseren Maschinenpark erneuert, Abläufe automatisiert. Und dabei auch darauf geachtet, besonders energieeffiziente Geräte zu kaufen. Es ist eindrücklich: Unsere neuen Maschinen verbrauchen teilweise bis 50 Prozent weniger Energie. Wobei ich auch ehrlich sagen muss: Wir hätten den bisherigen Produktionspark sowieso erneuern müssen und haben das nicht wegen der Teilnahme an diesem Programm getan. Aber das Thema Energieverbrauch bekam so sicher einen anderen, viel präsenteren Stellenwert.

Zusätzlich haben wir beispielsweise in den Ausbau der Wärmerückgewinnungsanlage investiert und es damit geschafft, unseren Gasverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren: Fürs Heizen unserer Büros verwenden wir jetzt Wärmeenergie, die in der Produktion quasi als Abfall entsteht.
 

Wie viel Energie konnten Sie einsparen in den drei Jahren Ihrer Programmteilnahme?

Im ersten Jahr konnten wir unseren vorherigen Energieverbrauch um rund zwei Prozent reduzieren. Im zweiten Jahr waren es schon deutlich über 30 Prozent, die wir weniger verbrauchten. Und über die ganzen drei Jahre der Programmlaufdauer haben wir im Mittel etwa 25 bis 30 Prozent Energie pro Jahr – was etwa 30’000 bis 50’000 Franken entspricht – gespart. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich unser Unternehmen weiterentwickelt und verändert hat und sich daher diese Zahlen nicht eins zu eins vergleichen lassen.
 

War das Einsparen von Energie in Ihrem Betrieb nachhaltig?

Für uns als Kunstoffspritzguss-Unternehmen ist es wichtig, dass wir uns im Markt von anderen Firmen differenzieren können. Das passiert natürlich in erster Linie über Produkt, Serviceleistungen und Preis. Aber zusätzlich haben wir es uns auch auf die Fahnen geschrieben, verantwortungsbewusst mit unseren Ressourcen umzugehen und die Umwelt zu schonen. Solche Soft Skills werden im Markt immer wichtiger. So planen wir auch, wie bereits angetönt, unser Unternehmen in den nächsten zwei, drei Jahren gemäss ISO 50001 zertifizieren zu lassen. Ein Photovoltaik-Projekt ist ebenfalls bereits ausgearbeitet und die entsprechenden Förderbeiträge in Zusammenarbeit mit den KEEST-Fachleuten beantragt und bewilligt. Auch die Thurgauer Kantonalbank ist als Partner ins Förderprogramm involviert – und macht es damit zum Projekt von Thurgauer Unternehmen für Thurgauer Unternehmen. Die Realisierung wurde und wird leider durch die aktuelle COVID 19-Situation verzögert, wir hoffen aber, dass sie bis Ende 2021 abgeschlossen sein wird. Ich kann also in aller Deutlichkeit sagen: Unser Engagement ist nachhaltig und seit Jahren Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie.
 

Würden Sie mit dem heutigen Wissensstand noch einmal an einem solchen Projekt teilnehmen?

Ja, ich würde sofort wieder mitmachen. Es war eine wirklich vorbildliche Zusammenarbeit mit den Spezialisten vom KEEST und der EKT AG. Ich empfinde es als grossen Vorteil, dass man sich hier im eigenen Kanton fürs Energiesparen engagiert und auch entsprechende Fachpersonen zur Unterstützung der Unternehmen zur Verfügung stellt. Durch die Zusammenarbeit mit dem KEEST und der EKT AG haben wir wichtige Schritte unternommen und Massnahmen realisiert, um unseren ökologischen Fussabdruck zu reduzieren. Und damit gleichzeitig auch unsere Wettbewerbsfähigkeit am Markt verbessert.

Roman Germann, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Langfristiger Nutzen – voller Erfolg

Ziel des Energie-Förderprogramms «Thurgauer Energie-Fitness für Unternehmen» der EKT AG war es, mittels individuell angepasstem Massnahmenmix bei jedem teilnehmenden Unternehmen eine Energie-Ersparnis von 15 Prozent zu erreichen. Als zusätzlicher Anreiz wurde jede eingesparte Kilowattstunde (kWh) von der EKT AG mit einer Förderzahlung von 3,5 Rappen belohnt (begrenzt auf 50'000 Franken für die drei Jahre dauernde Teilnahme). Insgesamt wurden so 184 GWh Energie eingespart, was rund 20'000 Tonnen CO2 entspricht. Auf lange Sicht bedeutet dies: Jährlich werden rund 60 GWh Energie (entspricht rund 6,7 Tonnen CO2) eingespart.